3. Kenia Jambo Marathon
22. Oktober 2006

Hinweis für 2006
Bericht von Martin Scholz
“Pombay moja baridi tafadahli“

Kenia-Jambo-Marathon 2006
  „Pombay moja baridi tafandahli“ Wie heißt es so schön: „Der Weg ist das Ziel“. Unser Weg begann aber nicht  erst am Startplatz auf der staubigen Strecke zwischen Malindi und Malanga, sondern bereits Tage vorher, als wir aus dem Bauch einer Boing 767 in die neue Wahrheit des äquatorialen Afrikas ausgeworfen wurden. Was war das für ein seltsamer Haufen abgedrehter Deutscher, die sich zunächst etwas unbeholfen den Weg durch die Passkontrollen und Einreiseformalitäten kämpften? Die noch frische Erinnerung vom Morgen, als wir schier endlos um den Kilimanjaro kreisten, um dann doch unter der Wolkenbank die Landebahn zu sichten, begleitete uns in den bereit gestellten Bus. Zur Belohnung zeigte sich uns der 5896 m hohe „Kibo“ mehrmals von seiner schönsten Seite. Stephanie Sea-Resort
Mulis auf dem Weg zum StartBlick aufs Meer vom Hotel aus Der Weg zum Ziel ging weiter: Herzliche, fröhliche Menschen, katastrophale Straßen, armselige Läden, es schüttete aus Kannen. Regenzeit? Etwas früh, aber was soll´s, bis Sonntag wird alles gut sein. Wie ein Martini gut geschüttelt kamen wir im Stephanie-Sea-Resort an, wo wir von den anderen verrückten Marathonis und Mathilde in Empfang genommen wurden.

Es gibt bestimmte Gesetze, die man bei einem Auslandsaufenthalt unbedingt beachten muss. Ein solches Gesetz ist die Bemühung des Gastes, die Sprache der Gastgeber zu erlernen. Da manin kurzer Zeit nicht die gesamte Landessprache erlernen kann, ist man gezwungen, sich auf essentielle Fragmente zu spezialisieren. „Pombay moja baridi tafandahli“….“Ein kaltes Bier bitte“. Dieser Satz sollte mir später die meditative Stütze während unseres „Bonsai-Marathons“ werden. Ach ja, um genauer zu sein, waren es nicht ganz 42,195 km sondern 25,1 km…warum? Wegen derSeenlandschaften, die sich über die Marathonstrecke gelegt hatten, und weil es für einen Triathlon aber auch nicht gereicht hätte. Ach ja, die Klimawandlung, El nino, Monsun…also kein Marathon. Jeder sprach vom schlechten Wetter…es sei darauf hin gewiesen, dass es bei der Erdentstehung etwa 15000 Jahre ohne Unterbrechung regnete..und zwar 300° C heißen Regen…wer regt sich da noch auf? Aber, um es vorweg zu nehmen…. alle widrigen Umstände zusammen genommen…waren es dann doch eher 250 km…gefühlt…Der „Ober-Muli“ wird nun protestieren und sagen „GPS irrt sich aber nie“…auch im Parallel-Universum?
sollte Laufstrecke sein
Aufwärmen ist angesagt
Der Weg:

Ein anthropologisch interessierter Beobachter konnte am Morgen des 22.10.2006 irgendwo zwischen Malinindi und Malanga in Ostafrika eine wild anmutende Gruppe von Hominiden (homo sapiens sapiens marathonensis?) beim „Warmmachen“ beobachten.
 
High-Tech ja oder nein? Der Startschuss wurde in eine feierliche Rede mit anschließendem Countdown von Lutz Krücke vorgetragen.Der Blick auf die ansteigende rote Sandpiste vor uns bis zum Horizont trug nicht unmittelbar zur Erheiterung der Läufer bei. Nach dem Motto: „jede Steigung bringt auch ein Gefälle mit sich“ starteten die Läufer voller Hoffnung und Mut. Die Strecke durch die Feuchtsavanne säumte sattgrüne undurchdringliche Flora und beherbergte Abermillionen von malariaträchtigen Moskitos, die lasziv auf die sich näherndeBlutmahlzeit warteten. Dagegen half auch kein „Anti-Brumm“. Begleitet wurden wir von einer Schar kenianischer Kinder, die zum Teil bis zum Ziel durchhielten, begleitet. Darwin hätte seine Freude gehabt. Er hätte neben der Vielfalt der Ausprägung von Laufapparaten (Flip Flops, Barfuß, Asics, Autoreifen) auch die Evolution der Handbewegung der „Randbevölkerung“ beobachtet und vermutlich eine wissenschaftliche Abhandlung darüber verfasst. So ist ja bekannt, dass im Laufe der Evolution dieFreiwerdung der Hände ein entscheidender Vorteil ist. Durch das Laufen auf zwei Beinen können die Hände gebraucht werden, um Waffen zu bauen, um Nahrung zu verarbeiten etc. Darwin hätte nun auch beobachtet, wie das Anheben der Hand vom Gruß über das freundliche Winken mit einer rotierenden Bewegung im Handgelenk zu einer bettelnden Geste transformierte. Glücklicherweise waren drohende Handbewegungen, durch Enttäuschung (keine Caramellos) bedingt, äußerst selten. RandbevölkerungStart ist erfolgt
Die Sonne bricht durch Wie Beckenbauer bei der Organisation der Fußball-WM 2006 hatte Lutz die Kontakte nach oben genutzt, um das Wetter auf den Punkt umdrehen zu lassen….Respekt…Das transiente Durchbrechen der Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke gab den Läufern einen kleinen Vorgeschmack auf „wie es hätte werden können“, bei 42 km Strecke und Dauersonne…
 
Franz hats gleich geschafft
So kam dann der Erste (natürlich ein Kenianer) nach 91 Minuten in das Ziel. Dann kam erst mal länger nix…und dann tröpfelte es so nach und nach ein. Da ich selbst erst nach 164 Minuten gemeinsam mit Petra (schnellste Teilnehmerin) aus Landau eintröpfelte (eigentlich tröpfelte es mehrvon der Stirn) kenne ich die Zeiten der Einzelnen Läufer/innen nicht, nur dass Franz aus Bickenbach als bester Weißer nach 134 Minuten von den Helfern in die Massagebaracke geschleift??? wurde. Respekt, lieber Franz!! Hier könnte nun ein Werbe-Slot für den Biergarten „Kastanie“ in Bickenbach stehen…Franz, wir besuchen Dich bestimmt mal, um Dir bei der Arbeit zuzusehen…so schnell wirst Du uns nicht los!!!
Finishline
 
Gedankt sei hier den zahlreichen Helfern, die alle 5 km (nach GPS exakt gemessen) die Versorgungsstände in der sengenden Sonne stehend, politische, philosophische Themen mit den Einheimischen auf Swaheli diskutierend, ausharrten, bis dann doch der letzte Läufer eintröpfelte. Der veränderten Raum- und Zeitkrümmung unterhalb des Äquators ist es vermutlich zuzuschreiben, dass 5 km nicht immer gleich 5 km waren. Aber was soll´s … der Weg ist doch das Ziel…und Pombay wartet auf uns nach dem Zieleinlauf..oder?
Helferteam
Waisenkinder-Vorführung
Na ja, nicht ganz…vorher gilt es noch einen Sitzmarathon in Malanga zu bewältigen. Gemeint ist der eigentliche Sinn des Marathons…es ist ja für einen guten Zweck!! Und was für Einer…Das Erlebnis, die Begeisterung der Schulkinder und der Kinder aus dem Waisenhaus bei ihren lange vorbereiteten Darbietungen zu Erleben, trieb nicht nur mir die Tränen in die Augen…dieser postmarathonensische Nachmittag wird mich mein Leben lang begleiten. Lutz und Mathilde…toll, was Ihr geschaffen habt…Selbst Dirk, der ja bekanntermaßen Klippenspringer in Acapulco war, mit Schallgeschwindigkeit durch die Welt gejettet ist (auch über Bommersheim?) und schon einiges erleben konnte, wurde sentimental.
 
 
Liebe Mitstreiter, es war eine wunderschöne Zeit mit Euch…vielleicht beim nächsten Mal zum 4. Kenia-Jambo-Marathon?
 
     
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Malindi, den 26.10.2006; Känozoikum, Quartär,
Holozän (Entstehung des Homo sapiens sapiens marathonensis)

Martin Scholz

An dieser Stelle ein recht herzliches Dankeschön an alle unsere Gäste,
welche KKH durch ihre Reise unterstützt haben



  Zeitungsartikel:
Mehr Bilder gibt es hier! Frankfurter Rundschau 14.11.2006
Ergebnisliste hier! Taunus Zeitung 15.11.2006
   



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