Bericht über meinen Aufenthalt im KKH Waisenhaus in Langobaya
vom 03.07.2009 bis 12.08.2009

 

Am 04.Juli 2009 bin ich morgens nach einem 9-stündigen Nachtflug endlich in Mombasa gelandet. Nach einer ca. zweistündigen Taxifahrt bin ich wohlauf in der Unterkunft der Familie Krücke in Malindi angekommen. Nach einer Stärkung machte ich zusammen mit Mathilde eine kleine Stadttour, bei dir sie mir die wichtigsten Geschäfte und die besten Restaurants zeigte. Abends ging ich schon früh ins Bett, schließlich musste ich die neuen, aufregenden Eindrücke erst einmal verarbeiten.

Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg nach Langobaya, und ich war sehr gespannt die Kinder, die KKH-Mitarbeiter und die beiden anderen Praktikantinnen Julia und Florine endlich kennen zu lernen. Als wir nach der einstündigen Autofahrt gegen Mittag im Waisenhaus in Langobaya angekommen sind, wurde ich sehr herzlich von den Kindern, die zu meiner Erleichterung keinerlei Kontaktscheue zeigten, und von den Angestellten begrüßt. Kurz darauf wurde mir auch das „Guesthouse“, in dem Julia und ich kommenden Wochen schlafen würden, gezeigt. Das “Guesthouse” liegt nahe dem Marktplatz und befindet sich ca. 10 Gehminuten vom KKH Waisenhaus entfernt. Das Haus ist für kenianische Verhältnisse wirklich komfortabel ausgestattet, da es über fließendes Wasser und Elektrizität verfügt.

Bereits nach kurzer Zeit habe ich mich in Langobaya und im Waisenhaus gut eingelebt, da wir von Anfang an in das Alltagsgeschehen involviert wurden. Morgens wurde zunächst mit den Erwachsenen gefrühstückt, da die Kinder bereits in der Schule waren. Anschließend bereiteten wir zusammen mit Mama Aska und Mary das Mittagessen vor, wuschen Wäsche mit der Hand oder räumten auf. Das kenianische Essen war zu Beginn sehr ungewohnt und eintönig, da es nur wenige verschiedene Gerichte gibt: z.B.: Ugali (Maismehl) mit Bohnen, Kohl oder Spinat, Githeri (Mais, Bohnen, Kartoffeln), Reis, Chapatis (kenianische Pfannkuchen) mit Bohnen oder zum Frühstück auch mal mit selbst gemachter Mango- Marmelade. Aber schnell hatte ich mich an das neue Essen gewöhnt. Trotzdem haben wir zur Abwechslung gelegentlich Waffeln gebacken oder Spaghetti gekocht. In dem kleinen Kochhäuschen gab es 2 Kochstellen, welche mit Kohle erhitzt wurden. Auch die Vorbereitung der großen Mengen an Essen (es musste für ca. 30 Leute gekocht werden) war für uns Praktikantinnen eine neue Erfahrung.

Um ca. 12.30 Uhr kamen die Kinder aus der Schule oder aus dem Kindergarten, wo sie bereits mit Mittagessen versogt wurden. Nach dem Mittagessen hatten wir endlich die Möglichkeit Zeit mit den Kindern zu verbringen. Meistens haben wir zusammen draußen ein Hüpfspiel oder Fußball gespielt, drinnen gemalt, gelesen oder in Kleingruppen Gesellschaftsspiele gespielt, bei denen man sich streng an die von den Kindern selbst ausgedachten Regeln halten musste. Manchmal haben wir auch gebastelt und am Wochenende wurde zusammen ein Film geguckt.

Sehr häufig halfen die Kinder nachmittags im Haushalt, indem sie ihre Wäsche wuschen, halfen das Essen vorzubereiten oder in Zweiergruppen die Ziegen und Kühe auf benachbarten Grundstücken hüteten. Wir begleiteten mehrmals die Kinder zum Ziegenhüten und es war immer sehr lustig und unterhaltsam, da man sofort von der „Dorfjugend“ umgeben war, die einen interessiert beobachtet oder auch angesprochen hat.

Da zu jenem Zeitpunkt auch ein neues Nachhilfehaus selbst gebaut wurde, halfen die Kinder mit Eifer bei der Herstellung von „bricks“ aus roter Erde. Generell hat es uns erstaunt, wie aufmerksam, hilfsbereit und gewissenhaft die Kinder ihre Aufgaben übernehmen und auch nie ein Widerwort aussprachen. Am späten Nachmittag haben wir abwechselnd bei der Vorbereitung zum Abendessen geholfen. Dies war allerdings nicht allzu oft notwendig, da Mama Aska und Mary stets tatkräftig von den 4 ältesten Mädchen unterstütz wurden. Obwohl es abends bereits dunkel und frisch war, haben wir meistens gemeinsam draußen gegessen. Nach dem Abendessen wurden Julia und ich immer von einem Waisenhaus-Mitarbeiter bis zum „guesthose“ begleitet.

Einmal die Woche hatten Florine, Julia und ich unseren „off-day“. An diesen Tagen sind wir mit dem Bus morgens nach Malindi gefahren um dort shoppen zu gehen und uns anschließend am Strand auszuruhen. Besonders an diesen Tagen fielen die extremen Unterschiede zwischen einheimischen und touristischen bzw. armen und reichen Gegenden auf.

Ein besonderes Ereignis ist auch die monatliche Fahrt nach Malindi, bei der ein Großteil der Besorgungen für einen Monat in verschiedenen Geschäften geordert und anschließen mit dem öffentlichen Bus zum Waisenhaus transportiert wird.

Auch die Besuche von uns Praktikantinnen in der Grundschule und im Kindergarten haben zahlreiche Eindrücke hinterlassen. Die sehr einfachen Lernbedingungen (Lehrermangel, sehr große Klassen und eine geringe Anzahl an Lehrmaterialen) waren für uns Deutsche doch sehr ungewohnt.

Ich ging an zwei Samstagen zusammen mit Mama Aska und den Kinder in die Kirche der Sieben-Tages-Adventisten. Die drei- bis vierstündigen Gottesdienste waren ungewohnt lang, aber durch das viele Singen und den langen Kindergottesdienst ging die Zeit schnell vorbei. Sehr haben wir uns auch über die Einladung zum Abendessen bei Kwicha und seiner Familie oder den Ausflug mit Nico und den Kindern an den Fluss in Langobaya gefreut. Da Mathilde und Lutz Krücke zur selben Zeit in Langobaya waren, hatten wir auch die Möglichkeit die Schul-Projekte in Yembe und Malanga zu besuchen. Da in Malanga das alte Schulgebäude als „Museumsstück“ erhalten ist, kann man sich mit einer Besichtigung des Gebäudes leicht die alten, katastrophalen Schulbedingungen vorstellen, aber auch erkennen, wie viel sich in den letzten Jahren glücklicherweise verändert hat.

Zusammenfassend waren die sechs Wochen in Langobaya/Kenia eine sehr schöne, eindrucksvoll Zeit, aus der ich viele neue Erfahrungen, Bilder und Geschichten mit nach Hause bringen konnte. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte.

Laura Jablonka

Fanny.laura@web.de