Das Leben im Waisenhaus

In unserem Waisenhaus leben zwischen 32 und 38 Jungen und Mädchen. Alle kommen aus den ärmsten Verhältnissen, sind Vollwaise und ohne jede Zukunftschance. Mit der Aufnahme im Waisenhaus haben viele von ihnen zum ersten Mal die Chance, in die Schule zu gehen, auch wenn sie bereits 8 oder 10 Jahre alt sind. Die meisten von Ihnen wurden bisher von Angehörigen wie – Oma, Opa, Tante, Onkel etc. - die teilweise selbst schon im hohen Alter sind, mehr recht als schlecht versorgt. Der Besuch der Grundschulen ist in Kenia zwar kostenfrei, aber die erforderliche Schuluniform und die Schulmaterialien sind es nicht, und so haben sehr viele Kinder aus armen Verhältnissen trotzdem keine Chance, zur Schule zu gehen.

Stellvertretend für viele unserer Waisenkinder zeigt unser Bericht „Salim kommt ins Waisenhaus“ auf, mit welchen Widrigkeiten auch wir zu kämpfen haben, bis ein Kind ordnungsgemäß aufgenommen werden kann.Im Waisenhaus wollen wir den Kindern eine Ausbildung und eine hoffnungsvolle Zukunft  geben, um ihnen später als Erwachsene, wenn sie auf eigenen Füssen stehen, ein besseres Leben zu ermöglichen.

Bei uns geht es wie in einer Großfamilie zu. Alle helfen mit: Jungen und Mädchen, Große und Kleine, nach ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten, bei allen Belangen des täglichen Lebens. Je nach Alter waschen unsere Kinder ihre Wäsche auch selbst – per Hand, nicht mit der Maschine, so etwas gibt es in Kenia nicht. So lernen alle ganz nebenbei auch Selbstorganisation.

Wir achten aber darauf, dass Spiel, Lernzeit und Mithilfe sich die Waage halten. Deshalb ist die Mithilfe auf Freizeit, Wochenenden und Ferien beschränkt.

Bei der Zubereitung des Essens gehen vor allem die älteren Kinder unserem Koch zur Hand. Selbstverständlich werden alle Mahlzeiten wie in einer Familie gemeinsam eingenommen. Die Kinder gehen bis 17 Uhr in die örtliche öffentliche Schule, haben danach Zeit zum Spielen, und abends sind Hausaufgaben angesagt. Mit allen Kindern wird gemeinsam gelernt und Nachhilfeunterricht angeboten - schließlich sollen alle Kinder auch Erfolg in der Schule haben. Wir haben eigens einen Nachhilfelehrer engagiert, und konnten mithilfe einer großzügigen Spende der Grundschule Bexhövede und der Krifteler Lindenschule sogar ein eigenes Gebäude nur fürs Lernen errichten.

Die Kleinsten gehen natürlich noch nicht zur Schule, sondern in den Kindergarten, der sich auf unserem Gelände befindet; aber auch hier wird fleißig gelernt. Anders als in deutschen Kitas wird sich in den kenianischen Kindergärten auf die Grundschule explizit vorbereitet und am Ende steht tatsächlich eine Abschlussprüfung an.

Dem Jungenhaus steht ein Hausvater, dem Mädchenhaus eine Hausmutter als Familienoberhaupt vor. Um auf Dauer eigenständig und nachhaltig wirtschaften zu können, legen wir in Kenia Wert auf Landwirtschaft. Wir halten vor Ort Ziegen, Schafe und Hühner, wobei wir in den letzten Jahren speziell den Hühnerhof modernisiert haben und mittlerweile schon so viele Eier erhalten, dass wir Überschüsse auf dem lokalen Markt verkaufen.

Auch hier helfen die Kinder begeistert mit, hüten das Vieh, füttern die Hühner und kümmern sich um die Ställe. Sie lieben die Tiere und die Tiere lieben ihre Streicheleinheiten.

Auch Obst und Gemüse bauen wir selbst an, wobei wiederum die Kinder mit dabei sind und viel über die Bewirtschaftung der Felder lernen. Jedes Kind hat auch seine eigene kleine Parzelle zum bewirtschaften – vom Urbar-machen bis zur Ernte dürfen sie alles alleine machen und sind daher immer sehr stolz wenn  ihre eigene Arbeit auch Früchte trägt. Bei all diesen Tätigkeiten lernen unsere Kinder ganz nebenbei, wie es gelingen kann, sich selbst zu versorgen.  Damit das alles „Laufen“ kann, benötigt man auch das entsprechende Personal.

Angestellte-L.C.H

v.l.n.r.

Leah – Hausmutter, Jane – Kindergarten Lehrerin, Morris – L.C.H. Handwerker, Josephine – Sozial Arbeiterin, Joseph – Farm Arbeiter, Furaha – Köchin, Alex – Hausvater, Kazosi – Rezeption, Mtua – Farmarbeiter, Emmanuel – Manager